Sichtbares Zeichen der Hoffnung: Fronleichnamsfeiern in Leipzig

Ein Beitrag von Wigbert Albrecht
erschienen in: "Georgsbote" Pfarrei St. Georg Leipzig-Nord, Ausgabe Juni / Juli / August 2021

Eine Vision der Augustinernonne Juliana von Lüttich im 13. Jahrhundert veranlasste Papst Urban IV. im Jahr 1264, Fronleichnam zum kirchlichen Fest zu erheben. Das Wort „Fronleichnam“ stammt aus dem Mittelhochdeutschen und bedeutet „Leib des Herrn“. Seinen besonderen Charakter erhält das Fest durch die Prozessionen. Dabei verwendet man „Schaugefäße“ oder Monstranzen, die unter einem Baldachin, einem ursprünglichen Machtzeichen von Fürsten und Herrschern, mitgeführt werden. Betend und singend begleitet die Gemeinde das Allerheiligste.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde in Leipzig mit Genehmigung der sowjetischen Militäradministratur erstmals im Jahr 1948 wieder ein zentraler Fronleichnamsgottesdienst gefeiert. Allerdings nicht in der Öffentlichkeit, sondern im geschlossenen Raum der Pferderennbahn. Pfarrer Gunkel der Liebfrauengemeinde schrieb hierzu: „Die erste gemeinsame öffentliche Fronleichnamsfeier der Leipziger Gemeinden auf dem Gelände der Rennbahn. Ein Paradoxon der Geschichte! Die erste öffentliche Fronleichnamsprozession seit der Reformation in der Zeit der sowjetischen Besatzung.“ Die Prozession auf der Rennbahn erfolgte mit streng vorgeschriebener Prozessionsordnung. „Der eigentliche Prozessionsgang beginnt mit der Jugend mit Bannern und Begleitern und den sonstigen Fahnendeputationen. Dann folgen die Ministranten; und vor dem Allerheiligsten die Herren Geistlichen; nach dem Allerheiligsten die ehrwürdigen Schwestern und dann die Vertreter der verschiedenen Gemeindegruppen“, hieß es im Brief des Erzpriesters Pfeiffer an die Pfarreien vom 21. Mai 1958. Diese Feiern auf der Rennbahn konnten bis 1971 beibehalten werden. Ältere Leipziger berichten voller Begeisterung über diese zentralen Gottesdienste. So fuhren zum Beispiel die Kinder aus Engelsdorf mit Sonderstraßenbahnen zum Fronleichnamsgottesdienst. Von 1972 bis 1975 fand der Gottesdienst in der Petrikirche, von 1976 bis 1982 in der Nikolaikirche und mit Einweihung der neuen Propsteikirche ab 1983 bis 2014 auf der Rosentalwiese statt.

Beginnend mit dem Jahr 2015 übernimmt im Wechsel jeweils eine Leipziger Gemeinde die Verantwortung für die Ausgestaltung des Gottesdienstes unter Einbeziehung einzelner kirchlicher Orte. Den Auftakt machte dabei St. Georg. Hervorzuheben sind die Fronleichnamsfeier 2016 auf dem Augustusplatz im Rahmen des 100. Katholikentages und die ökumenische Feier auf dem Thomaskirchhof 2018.

Aus meiner Sicht bleiben diese Fronleichnamsfeiern bisher aber meist „interne“ Feiern der Kirchgemeinden, an deren Abschluss ein gemeinsames Beisammensein steht. Ein sichtbares Zeichen der Hoffnung für unser säkulares Umfeld setzen wir damit eher nicht. Konsequenterweise sollten wir deshalb das Brot als Zeichen der Solidarität in die sozialen Brennpunkte unserer Stadt und damit in die Öffentlichkeit tragen.

Der erste Leipziger Fronleichnamsgottesdienst nach dem Zweiten Weltkrieg wurde am 27. Mai 1948 auf der Pferderennbahn am Scheibenholz gefeiert.

Auch in den 50er Jahren fanden die gemeinsamen Fronleichnamsfeiern auf der Pferderennbahn statt. Bis 1971 versammelten sich die Leipziger Katholiken jährlich an diesem Ort.

In den Jahren 1983 bis 2014 feierten die Leipziger Gemeinden Fronleichnam auf der Rosentalwiese in der Nähe

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